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1933 - Sport in Kornwestheim während der Nazi-Zeit

TVK

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten wirkte sich maßgeblich auf das Vereinsleben im TVK aus. Zunächst sollte ein neuer Vereinsvorstand aus den eigenen Reihen der Nationalsozialisten eingesetzt werden. Gesagt, getan. Am 19.06.1933 wurde der Nationalsozialist Otto Trefz zum neuen “Vereinsführer” des TVK ernannt. Kurzerhand sollte der Verein über eine eigene Wehrsport-Abteilung verfügen, die nach ihrer Gründung als militärische Abteilung fungieren sollte (eindeutige Belege, ob diese Abteilung jemals ins Leben gerufen wurde, gibt es allerdings nicht).

Als Vereinsführer sollte es Otto Trefz nicht so leicht haben. Zwar stand im Jahre 1934 der 40. Geburtstag des Vereins bevor, einen wirklichen Grund zu feiern gab es jedoch nicht.

 

Einladung zum 40sten des TVK

Einladung zum 40sten des TVK

Mitgliedsausweis NSRL

Mitgliedsausweis NSRL

Der Verein steckte in der Krise. Zum einen war der TVK hochverschuldet. Zum anderen wurde es immer schwieriger, die Vielzahl an Abteilungen und Mannschaften zu koordinieren und in Turnhallen unterzubringen.

Ein großes Fest wurde trotzdem gefeiert. Dabei wurden nationalsozialistische, vollmundige Reden seitens Trefz selbst, sowie anderer Festredner geschwungen. Laut Trefz erfüllte der Turnverein “... im Geiste des Jahn und im Geiste Adolf Hitlers …” ganz besondere Aufgaben in der Gesellschaft. Dachverbände und Vereine sollten sich den Zielen der Nationalsozialisten anschließen und ihre Mitglieder durch “körperliche Ertüchtigung” für ihr Vaterland einsatzbereit machen.

Örtliche Sportvereine, so auch der TVK, sahen sich gezwungen eng mit dem Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen zu kommunizieren. Es sollte eine straffere Organisation entwickelt werden, um die neuen Ziele der Nationalsozialisten nicht aus den Augen zu verlieren.

Zur selben Zeit verhängte das Landespolizeiamt ein Verbot für jüdische Mitbürger, Sportabzeichen zu tragen und forderte die Sportvereine auf, ihre jüdischen Mitglieder den Behörden zu melden. Die jüdischen Mitglieder sollten fortan in eigens für Sie vorgesehene Sportstätten, getrennt von allen anderen Mitgliedern Sport treiben.

Am 22.01.1938 übernahm Anton Ziegelbauer das Ruder beim TVK. Unter seiner Führung wurde in der Hauptversammlung beschlossen, die Sportstätten des Vereins in die Weimarstraße zu verlegen. Unter anderem sollten zukünftig auch die paramilitärischen Interessen und Ziele der Hitlerjugend berücksichtigt werden. Durch den Ausbruch des 2. Weltkriegs am 01.09.1939 rückte dieses Vorhaben aber vorerst wieder in den Hintergrund.

Zahlreiche Vereinsmitglieder wurden eingezogen. Selbst der neue Vorstand Anton Ziegelbauer. musste ausrücken. Der Krieg forderte seinen Zoll. Aus einem offenen Brief an die Stadtverwaltung ging hervor, dass der Verein zwei Drittel seiner Einnahmen und über 180 Mitglieder einbüßen musste. Ein schwerer Schlag für den TVK.

Abgebrannte Turnhalle 1943

Doch damit nicht genug. Während einer Schädlingsbekämpfungsmaßnahme entfacht ein Feuer in der Turnhalle des TVK – Die Halle brennt vollständig ab. Mit der geliebten Turnhalle verloren die TVK’ler nicht nur ihre Halle, sondern auch ihr Zuhause.

FVK

Der FVK blieb von der Politik der Nationalsozialisten natürlich auch nicht verschont. Dies machte sich vor allem auch in der Rhetorik einiger Vereinsfunktionäre deutlich bemerkbar. Formulierungen wie “deutsch denken, deutsch fühlen, deutsch handeln”, waren Gang und Gäbe. Der damalige Vorsitzende Adolf Kälberer machte häufig von Ihnen Gebrauch, um seine Mitglieder enger an die nationalsozialistische Partei zu binden. Das “Deutschtum” sollte durch die regelmäßige Wiederholung nationalsozialistischer Parolen weiterhin gestärkt werden.

Auf Kälberer folgte Adolf Ade, ein begnadeter Fußballtrainer, der seiner Mannschaft Zeit, Hingabe und Leidenschaft schenkte. Er hatte das große Glück, mit Helmut Seitz einen von Sepp Herbergers Nationalspielern in seinen eigenen Reihen zu haben. Unter Ade’s Führung kämpfte und siegte die Mannschaft, verpasste jedoch mehrfach knapp den Aufstieg die höchste württembergische Amateurklasse. 1938, kurz vor dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs, wechselte Helmut Seitz zum VfB Stuttgart.

Nach Ausbruch des Krieges kam der Sportbetrieb komplett zum Erliegen. Der Krieg forderte auch in den Reihen des FVK’s seinen Tribut. Auch das mühsam aufgebaute Clubhaus wurde zweckentfremdet und während der Kriegszeit ausschließlich für militärische Zwecke genutzt. Aus den Räumen im Untergeschoss wurde eine Sanitätsrettungsstelle. Später wurde das Personals der Flakabteilung darin untergebracht.

ESG

Leider wurden die meisten Aufzeichnungen und Briefe die Aufschluss über die ESG zur Zeit des Nationalsozialismus geben könnten, nahezu vollständig vernichtet, sodass uns nur sehr wenige Informationen über diesen geschichtlichen Abschnitt des Vereins vorliegen.

Klar ist jedoch, dass sich der Kriegseinbruch 1939 für den RTSV als dunkelstes Kapitel der Vereinsgeschichte erweisen sollte.

Der noch junge Sportverein betrauerte viele Tote in den eigenen Reihen und musste den Sportbetrieb auf ein Minimum reduzieren. Hinzu kam, dass das gesamte Sportgelände nahezu vollständig zerstört wurde.